Neckarbischofsheim. „Tortelloni, wer bekommt Tortelloni? – Wer hat die Schaschlikpfanne bestellt? – Gratinierten Gemüsepfannkuchen möchtest Du? Kommt sofort!“ Schlag auf Schlag bedient Anne Kerbe die sich ihr entgegenstreckende Hände, ein ums andere Tellergericht geht gegen Bon in dieselben. Derweil rollt der Nachschub aus dem hinteren Küchenbereich, wo die tiefgekühlt gelieferten Komplettmahlzeiten in den Verzehrzustand gebracht worden sind. Ein Blick auf deren Aludeckel, schon schallt’s durch den mittlerweile mit Leben und Lärm erfüllten Raum: „Also, jetzt können die Bratwurstschnecken kommen!“
Erster Tag in der Mensa des Adolf-Schmitthenner-Gymnasiums. Und Premiere für deren Betreiberin. Doch Anne Kerbe, die auch den ASG-Kiosk bewirtschaftet und Neckarbischofsheimern als „Keller“-Wirtin bekannt ist, meistert ihren Part an der Ausgabetheke souverän. Wer auf sein Essen etwas länger warten muss, dem bringt sie es persönlich an den Tisch und spendiert zudem einen Schokoriegel. Das ist ihre Art von Konzession an den Ansturm auf die Mensa, mit dem niemand gerechnet hatte. 105 Tellergerichte sind am Vormittag geordert worden – von gut der Hälfte war man ausgegangen. So wurden am Eröffnungstag kurzerhand zwei Essenszeiten eingerichtet.
Hunger, aber auch eine gehörige Portion Neugierde treibt die Gymnasiasten in ihren neuen Speise- und Aufenthaltsraum. Was sie sehen, gefällt: „Die Mensa ist voll modern eingerichtet, entspricht den Vorstellungen eines Jugendlichen“, urteilt Hanna aus der 8c. Klassenkameradin Felicia stimmt zu, sie fühlt sich hier wohler als in dem eigentlichen Schulgebäude. „Bisschen wenig Platz“ findet allerdings Hanna aus der 9b.
An den mit Lachs und Spinat gefüllten Cannelloni hat sie dagegen nichts auszusetzen. Überhaupt bekommt das Essen, das die Hofmann Menü-Manufaktur aus Boxberg-Schweigern schockgefrostet und gemäß Qualitätsphilosophie „ohne Geschmacksverstärker, Konservierungs- und künstliche Farbstoffe“ liefert, gute Noten. Jonas aus der Achten jedenfalls schmeckt die Bratwurstschnecke, für Carsten aus der 13. Klasse ist die Schaschlikpfanne mit Reis „okay“ und Viktoria aus der 8c lobt besonders die Bratwurst-Beilage, das Kartoffelpüree: „Sehr weich, sehr lecker!“
„Happy End“ für ein Projekt, das Schule und Schulträger, Eltern und Schüler sechs Jahre lang beschäftigte. Oder „das Ende eines langen Weges“, wie es Bürgermeister Hans-Joachim Vogt im Rahmen einer kleinen Eröffnungsfeier formuliert, zu der Vertreter der Gemeinde, Schule und Eltern eingeladen sind. Er lässt den Werdegang der Mensa Revue passieren bis hin zu der Entscheidung, sie in den ehemaligen Heizungskeller einzubauen. „So mancher konnte sich damals nicht vorstellen“, erinnert sich das Stadtoberhaupt, „wie aus einem dunklen Heizraum mit rußgeschwärzten Wänden und kleinen Fenstern ein freundlicher Aufenthaltsraum werden soll.“ Doch der Architekt Martin Dertinger habe den Gemeinderat mit seinen Planungen und Vorschlägen überzeugt. So wurde mit dem Umbau im Januar 2009 begonnen.
Das Ergebnis ist ein Licht durchfluteter, ansprechender Speise- und Aufenthaltsraum, in dem Schüler wie Lehrer dienstags bis donnerstags ihre Mittagspause kulinarisch versüßen können. Und das zu einem Preis von 3,50 Euro. Ein Betrag, der tatsächlich nur für das Essen aufzuwenden ist – für alle Betriebskosten wie Personal, Strom, Heizung und Wasser kommt der Schulträger auf. Diese Kostenübernahme sowie die in den vergangenen Jahren getätigten Aufwendungen fürs Gymnasium in Höhe von 1,2 Millionen Euro zeige, so BM Vogt, dass „der Gemeinderat bereit ist, für Kinder und Bildung Geld auszugeben“. Die Mensa und der Computerarbeitsraum, der in wenigen Tagen fertig gestellt sein wird, sei „eine Investition in die Zukunft, damit unsere Kinder die Ausbildung erhalten, die sie für ihren weiteren Lebensweg brauchen“.


