In dieser finsteren Lage naht die Rettung durch den Prinzen von Solferino, der natürlich kein anderer ist als der verkleidete Verehrer von Jourdains Tochter. Wunderbar naiv lässt sich Jourdain in einer vom Ensemble über die ganze Bühne gespielten Szene zum „Grande Zampano“ adeln, seine Tochter bekommt ihren Prinzen, er seine Comtesse, und auch unter den Dienstleuten werden einem Komödien-Ende angemessen weitere Hochzeiten gefeiert. Die Schlussszene zeigt einmal mehr, wie sicher die Schauspieler mit dem Bühnenraum umgehen und wie sie ihn effektiv für Dynamik und Abwechslung nutzen. Auch die deutliche Aussprache und die expressiven Dialog machen deutlich, dass hier über lange Zeit gründlich gearbeitet wurde. Dieser volle Einsatz aller Beteiligten auf und hinter der Bühne schenkt den Zuschauern einen spannungsvollen, kurzweiligen und amüsanten Theaterabend.
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16.02.2010 Amüsanter Theaterabend mit Moliere
Theater-AG des Schmitthenner- Gymnasiums inszeniert den „Bürger als Edelmann“
Von Hans-Ullrich Gallus
Neckarbischofsheim. Zu Beginn führen altertümlich modale Flötenklänge in die Zeit der Adligen und Lakaien, der Prinzen und Comtessen. Dann gehen die Scheinwerfer an und es entfalten sich als spannende Ouvertüre ein Anzahl von Szenen, die einen Tanzlehrer, Fechtmeister, Gesangslehrer, Philosophen und einen Schneider zeigen. Alle diese Lehrer hat Monsieur Jourdain engagiert, um seinen erhofften Sprung in die Adelsklasse vorzubereiten.
Moliere nimmt in seinen Komödien zeitlose menschliche Schwächen unter die Lupe. In der Folgeszene, der Anprobe seines neuen Anzugs, wird Jourdains Gefallsucht humorvoll inszeniert, indem er passend zur Jahreszeit und zu seiner höchsten Zufriedenheit wie ein Karnevalsprinz ausstaffiert wird. Die Ensembleszene mit Schneidern, Bediensteten und Familienmitgliedern ist ein Fest fürs Auge, über die ganze Bühne gespielt und musikalisch kongenial umgesetzt mit einem Prada- Armani- Sprechgesang der Lakaien: ein Stelldichein von individueller und kollektiver Eitelkeit.
Dass für diese Art der Inszenierung die Stücke unter der Leitung von Siggi Püschel größtenteils „neu“ geschrieben werden, gehört mittlerweile zur Tradition der Theater-AG. Zusammen mit der Musik von Holly Holleber, welche die Fähigkeiten der Schüler gekonnt zur Geltung bringt, ist dies eines der Erfolgsgeheimnisse der Truppe und auch dieses mal wieder die Garantie für eine erfrischende Begegnung mit einem Klassiker.
Der Aufstieg in den Adel soll für Jourdain durch eine Heirat gelingen, also lädt er die Dame seines Herzens, eine Comtesse, zu einem Empfang zu sich ein. Dass dieser Empfang zu einem für den Zuschauer höchst vergnüglichen Desaster wird liegt daran, dass die geladenen „Adligen“ nur Zuhälter, Dirnen und anderer Pöbel sind, die Jourdains falscher adliger Freund in Ermangelung echter Blaublüter organisiert hat. Auch in dieser Szene zeigt sich die gute Rollenauswahl der Regie. Nachdem die alkoholisierte Meute in überzeugender Weise und mit großer Spielfreude immer ausfallender wird kommt es schließlich zum Eklat. Jourdains Comtesse verlässt wutschnaubend die Szene, und er steht alleine da.
Parallel zu seinen eigenen Adels-Ambitionen versucht Jourdain auch seine Tochter nach oben zu verheiraten, doch diese liebt natürlich einen Bürgerlichen, so dass auch hier alles verfahren scheint.
Das Theaterstück wird im Februar und März nochmals an folgenden Terminen in der Aula des Gymnasiums aufgeführt: am Freitag, 26. und Samstag, 27. Februar jeweils um 20.00 Uhr, am Freitag, 5. März um 20 Uhr, am Samstag 6. März um 17 Uhr, am Freitag, 19. März und Samstag, 20. März jeweils um 20 Uhr.. Karten können telefonisch im Gymnasium unter 07623-91810 oder per Email unter
asg.theaterkarten@gmx.de vorbestellt werden. Karten (Schüler 5 Euro/Erwachsene 8 Euro) gibt es auch an der Abendkasse.
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