Neckarbischofsheim. (kel) Es war sein achter und zugleich sein letzter. Aber Bürgermeister
Hans-Joachim Vogt wollte den Neujahrsempfang am Sonntagabend nicht an seiner
Person festmachen und kündigte den rund 200 Besuchern in der Stadthalle vorab
an, dass „weder Rückblick noch Ausblick“ zu erwarten seien. Stattdessen gab es Denkanstöße
zum Umgang miteinander, zum Einordnen der „Dinge in der richtigen Relation“. Und
dann doch noch etwas Ausblick: Dieses Jahr wird nämlich ein „festliches Jahr“,
kündigte das in siebeneinhalb Monaten aus dem Amt scheidende Stadtoberhaupt an:
400 Jahre evangelische Stadtkirche, 40 Jahre Frauenchor Helmhof, 25 Jahre
Museum im Alten Schloss und die Wiedereröffnung der Totenkirche nach der
Sanierung werden auf dem Programm stehen. Und eben die Bürgermeisterwahl.
Dass wie bei „Stuttgart 21“ Mehrheitsentscheidungen und demokratisch legitimierte Projekte von einer Minderheit immer wieder in Frage gestellt werden, gibt Hans-Joachim Vogt zu denken.
Dass Einzelne partout auf ihrer Meinung beharren und diese unter Missachtung der gesellschaftlichen Spielregeln durchsetzen wollen, zeige „dass etwas schief läuft“. Oft rangiere dabei das Eigeninteresse an erster Stelle. Gleichzeitig gebe es immer weniger Menschen, die bereit seien, sich für das Allgemeinwohl zu binden.
Dabei sei gerade dieser Einsatz wichtig für die kleineren Einheiten wie die Kommunen. „Wenn wir das sterben lassen, verlieren wir nicht nur soziale Bindungen, sondern auch ein Stück Heimat“.
Das abflauende Vereinsleben, das Problem, Kandidaten für den Gemeinderat zu finden, die schwindende Wahlbeteiligung bei Bürgermeisterwahlen – das sind für Vogt Indizien davor, dass sich Großteile der Bevölkerung vom kommunales Leben entfremden. Es gibt aber Gegenbeispiele: die Neckarbischofsheimer Feuerwehr etwa, die ihre Gerätehaus selbst streicht, oder Bettina und Beate Rupprecht, die einfach mal so den Brunnen vor dem Rathaus bepflanzten, oder Karin Bender (Foto), die als Bürgermeister-Stellvertreterin auf die ihr eigentlich zustehende Vergütung verzichtet.
Die Stadträtin bekam hierfür von Vogt die Bürgermedaille – und viel Beifall vom Auditorium.
Zu jenen, die das Dorfleben wach halten, gehört der Helmhöfer Frauenchor „Eintracht“. Dessen Vorsitzende Brigitte Foxx erinnerte angesichts des bevorstehenden 40. Jubiläums an die Anfänge mit zehn Sängerinnen und dem Dirigenten Hermann Prüß. Fünf der damaligen Gründungsmitglieder sind heute noch dabei. Der Frauenchor war es dann auch, der zusammen mit Singverein und Kirchenchor den Empfang umrahmte.
Pfarrer Daniel Meißner erinnerte sich an seine erste Nacht in Neckarbischofsheim, die um 6.30 Uhr mit dem Morgengeläut von der Stadtkirche abrupt endete. Er überlegte kurz, ob er den frühen Glockenklang nicht abschaffen sollte, gestand er. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt. Am 22. Juli soll der Kirchenbau vor 400 Jahren gefeiert werden und dabei der wechselvollen Historie des Gotteshauses gedacht werden, die auch Stadtgeschichte widerspiegelt: vom Überfall der kaiserlichen Reiter im Dreißigjährigen Krieg bis zum großen Sterben im Zweiten Weltkrieg.


