Gestaltungsgrundsätze zur Ortsbildpflege

Der Gemeinderat der Stadt Neckarbischofsheim hat in seiner Sitzung am 12.11.2019 folgende Gestaltungsgrundsätze für das städtebauliche Erneuerungsgebiet „Stadtkern“ beschlossen:

Gestaltungsgrundsätze zur Ortsbildpflege
im städtebaulichen Erneuerungsgebiet Neckarbischofsheim „Stadtkern“
Grundsatz zur äußeren Gestaltung baulicher Anlagen

- In Zusammenhang mit der Durchführung von Sanierungsmaßnahmen sollen die Gestaltungsgrundsätze dazu beitragen, dass Baumaßnahmen aller Art bezüglich Werkstoffauswahl, Farbgebung, Konstruktion und Gestaltung einzelner Bauteile zur Erhaltung und Gestaltung des Stadtbildes beitragen.
- Ziel ist es, das typische Erscheinungsbild sowie die stadtbildprägenden baulichen Anlagen im Gebiet Neckarbischofsheim „Stadtkern“ zu sichern. Bei Veränderungen an bestehenden Gebäuden oder bei Neubauten muss gewährleistet sein, dass diese sich in das bestehende Stadtbild einfügen. Dabei sollen traditionelle Elemente als Grundlagen der Gestaltung übernommen werden. Im Sinne der Baukultur können sie mit einer zeitgemäßen Architektursprache in Bezug auf Formen und Materialien weiterentwickelt werden.
- Die nachfolgenden Gestaltungsgrundsätze dienen als allgemeine Orientierung für bauliche Maßnahmen im Sanierungsgebiet.
Es handelt sich dabei um eine Konkretisierung der Sanierungsziele. Sie sind Grundlage für die sanierungsrechtliche Genehmigung gemäß § 145 BauGB.
- Konkrete Gestaltungsaussagen zu den einzelnen Maßnahmen werden im Rahmen der Einzelbetreuung formuliert.
- Die Festsetzungen der örtlichen Bauvorschriften sind zu berücksichtigen.
- Alle Maßnahmen an Gebäuden und baulichen Anlagen, die Kulturdenkmale oder im Umgebungsbereich von „Kulturdenkmalen mit besonderer Bedeutung“ sind, müssen mit dem Denkmalschutzgesetz abgestimmt werden. Hierfür bedarf es der rechtzeitigen Kontaktaufnahme mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde.
- Als „Erhaltenswert“ gekennzeichnete Gebäude haben, ergänzend zu den denkmalgeschützten Gebäuden, eine besondere Bedeutung zur Sicherung des Stadtbildes. Diese Gebäude sind wichtig für die gestalterische Einbettung der denkmalgeschützten Gebäude.
Die wesentlichen typischen/prägenden baulichen Elemente sind:
- Zusammengebaute, dichte Bebauungsstruktur
- Steiles rotbraunes Satteldach.
- Verputzte Fassaden, mit Faschen (Naturstein); vereinzelt Sichtfachwerk;
teilweise horizontale Fassadengliederung
- Natursteinelemente: Sockel aus Naturstein
Faschen, teilweise aus Naturstein
Natursteinelemente an den Ecken
Markierung der Eingänge durch Natursteinelemente
- Stehende Fensterelemente mit Untergliederung;
Einrahmung: Faschen, teilweise mit Verzierung
- Holzfensterläden
Baukörper
- Die traditionelle Gebäudestellung ist zu berücksichtigen. Die vorherrschende Gebäudeform im Sinne von einfachen Baukörpern (ohne nennenswerte Vor- und Rücksprünge auf der Straßenseite) mit steilen Satteldächern sind zu erhalten bzw. bei Neubauten aufzugreifen.
- Zur Erhaltung der typischen Straßenbilder sind, wenn nicht zwingende Gründe entgegenstehen, bzw. soweit im Neuordnungskonzept nicht anders dargestellt, Neubauten auf den ursprünglichen Gebäudefluchten entlang der Straßenseiten wieder zu errichten. Neubauten sollen die ortstypische Parzellenstruktur, Trauf-/ Firsthöhen sowie Gebäudebreiten/ -längen aufnehmen.
- Unsachgemäße Umbauten, die die Konstruktion des Gebäudes beeinträchtigen und das Erscheinungsbild stören, sollen korrigiert werden.
Fassaden
- Bestehende Sichtfachwerkfassaden sollen in ihrem konstruktiven Aufbau und der Gestaltung ihrer Einzelelemente nicht verändert werden.
- Bestehende Natursteinfassaden oder Natursteinfassadenelemente sind zu erhalten, bzw. zu restaurieren.
- Bauteile von kulturhistorischer und heimatgeschichtlicher Bedeutung, wie historische Hauseingänge und Tore mit Zeichen und Inschriften, sind an Ort und Stelle zu erhalten bzw. zu restaurieren.
- Bestehende Fenster- und Türleibungen (Naturstein, Holz) sollen beibehalten werden. Ist eine Instandsetzung nicht möglich, sind Putzfaschen in der Breite der abgegangenen Leibung anzubringen.
- Die Außenwände sind als Fassade mit Einzelfenstern (Lochfassade) auszubilden.
- Die Fenster selbst sollen stehende Formate aufweisen. Querformatige Fenster sind entsprechend zu gliedern. Die Fensteröffnungen sollen ein harmonisches Gesamtbild ergeben.
Werden Kunststoff-Fenster verwendet, so ist auf eine feingliedrige Profilierung zu achten. Dies gilt auch für Neubauten.
- Vorhandene Klappläden sind beizubehalten und bei Bedarf zu sanieren.
Rollläden dürfen nur angebracht werden, wenn die Rollladenkästen außen nicht sichtbar sind (unter Putz).
- Schaufenster sind nur im Erdgeschoss zulässig und sollen durch schmale Fensterteilungen gegliedert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Erdgeschosszone zusammen mit den darüberliegenden Geschossen eine Einheit bildet. Die Gliederung soll sich in das umgebende Stadtbild einfügen.
- Überdachungen von Schaufenstern und Gebäudeeingängen sollen in leichter, transparenter Form ausgebildet werden.
- Balkone, Wintergärten und verglaste Vorbauten sind an der Haupt- und Waibstadter Straße auf der, dem öffentlichen Straßenraum zugewandten Seite nicht zulässig.
Bestehende, stadtbildprägende Balkone sind zu erhalten.
- Farbgestaltung der Fassade:
Grundton: Verwendung von hellen Farbtönen (Schwerpunkt gedecktes weiß, hellgelb bis beige bis ockerorange, weitere helle Farbtöne in Abstimmung auf die Umgebung). Sonstige Fassadenelemente können dunkler abgesetzt sein (Fensterläden, Faschen,…).
Graue und dunkle Farben sind nicht zu verwenden.
Fassaden -Oberflächen und Materialien
- Die Außenwände der Gebäude sind überwiegend verputzt herzustellen.
- Keine glänzenden Oberflächen oder vorgehängte Fassaden.
Dachlandschaft
- Die von öffentlichen Straßenräumen einsehbare Dachlandschaft soll in ihrer Einheitlichkeit und Lebendigkeit, insbesondere in Bezug auf Dachform, maßstäbliche Gliederung, Material und Farbe sowie der Ausbildung von Details in ihrem Gesamtbild erhalten werden.
- Satteldächer sollen eine Dachneigung von mindestens 45° aufweisen. Bei Garagen und Nebengebäuden sind auch geringere Dachneigungen zulässig; Pultdächer sind, je nach Lage, in Abstimmung auf die umgebende Bebauung zulässig.
Als Dachdeckung sollen naturrote oder rotbraune, nicht glänzende Ziegel oder Dachsteine Verwendung finden.
- An Traufe und Ortgang soll ein ausreichender Dachüberstand berücksichtigt werden.
- Für die Belichtung der Dachräume sollen Gaubenelemente vorgesehen werden, in Abstimmung auf das Stadtbild.
Dabei soll die Länge der Gauben die Hälfte der Dachlänge nicht übersteigen.
- Dachflächenfenster sollen eine Größe von 0,8m² nicht überschreiten, sofern sie dem öffentlichen Straßenraum zugewandt sind.
- Dacheinschnitte sind zum öffentlichen Straßenraum hin nicht zulässig.
- Sendeanlagen sollen auf ein Minimum beschränkt und so angebracht werden, dass sie das Erscheinungsbild des Gebäudes nicht stören.
Sendeanlagen sollen - grundsätzlich nicht an der Fassade angebracht werden.
- im Bereich der Hauptstraße / Waibstadter Straße auf der
straßenabgewandten Seite angebracht werden.
Für ein Gebäude mit mehreren Wohneinheiten soll eine Gemeinschaftsanlage angebracht werden.
Die Sendeschüsseln sind in der Farbe des Daches zu gestalten.
- Photovoltaik- und Kollektorflächen sind möglichst auf den Nebengebäuden anzubringen. Grundsätzlich sind sie gestalterisch zu integrieren: es sind kompakte Flächen herzustellen / die Flächen sind auf die Struktur der Fassade abzustimmen.
Werbeanlagen
- Die Werbezone ist beschränkt auf das Erdgeschoss und den Brüstungsbereich des ersten Obergeschosses.
- Werbeanlagen sollen die Fassadengestaltung nicht überlagern. Die Höhe von Schriftzügen soll 40 cm nicht überschreiten.
- Werbeschilder sollen eine gestalterische Qualität haben.
Zulässig sind Einzelbuchstaben bzw. Einzelzeichen, Stechschilder und aufgemalte Werbungen.
- Leuchtbänder mit Wechselbeleuchtung, aufgeklebte Werbeschilder sowie Großflächenwerbung sind nicht zulässig.
Unbebaute Flächen, Mauern und Einfriedungen
- Für Hofeinfahrten, Innenhöfe und andere befestigte Flächen sollen versickerungsfähige Materialien oder Natursteinbeläge verwendet werden. Die befestigten Flächen sollen möglichst geringgehalten werden (Entsiegelung bestehender asphaltierter Flächen). Die Materialfarbe ist auf das Ortsbild abzustimmen.
- Eine Begrünung der Flächen ist zu prüfen und darzustellen. Die Pflanzung eines Baumes ist zu prüfen.
- Mauern zur Straßenseite sollen aus Naturstein, bzw. mit Natursteinverblendung hergestellt werden.
- Gastronomie - Außennutzung

Der zur Straßenseite genutzte Außengastronomiebereich soll eine gewisse gestalterische Qualität aufweisen (Bestuhlung / Beleuchtung / Gesamtgestaltung).
Bauliche und Gestaltungsmaßnahmen sowie die Detailausführung (Farb- und Materialgestaltung) sind mit der Gemeinde / der STEG abzustimmen.

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