Offener Brief zur Reaktivierung der Krebsbachtalbahn:

Neue Aspekte und nochmaliger Überblick der Argumente

Sehr geehrte Landtagsabgeordnete, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Frei, sehr geehrte Stadträte von Bad Rappenau,

vor der anstehenden Abstimmung über die Reaktivierung der Krebsbachtalbahn mit dem Lückenschluss Obergimpern-Babstadt möchte ich nochmals an Ihren Weitblick und Ihre Zukunftsorientierung appellieren und Sie ermutigen, sich für den Ausbau einzusetzen und für die Reaktivierung mit Lückenschluss zu stimmen.
 
Dieser offene Brief geht per Email (aus Datenschutzgründen BCC:) an die mir bekannten Emailadressen der Stadträte von Bad Rappenau, die Landtagsabgeordneten aus unserer Region sowie an einige interessierte Bürger und die Presse. Ein Weiterleiten dieser Email ist ausdrücklich gestattet.
 
Ich habe Ihnen hier nochmals die wesentlichen Punkte zusammengefasst und gehe auch auf Alternativvorschläge zur Bahn ein. Mir ist bewusst, dass der Text lang ist. Trotzdem bitte ich Sie, diesen bis zum Ende zu lesen, denn die Argumente und Gegenargumente im Zusammenhang mit der Bahn sind sehr vielschichtig:
 
Zunächst das Wichtigste: Viele Bürger aus der Gesamtstadt Bad Rappenau würden von der Bahn profitieren. Obergimpern durch den Anschluss als solches, Babstadt durch die neuen Verbindungen und die verbesserten Taktzeiten und und die Kernstadt Bad Rappenau durch die Anbindung ins Krebsbachtal. Alle drei Teilorte profitieren durch die Reduzierung des PKW-Verkehrs. Es geht hier also nicht nur um Obergimpern!

Wunsch der Bürger: Ich habe in den letzten Wochen viele Gespräche geführt und in Obergimpern tatsächlich nur einen einzigen Bürger getroffen, der unentschlossen war (zufälligerweise ein amtierender Stadtrat). Keiner meiner Gesprächspartner war gegen die Bahn. Alle stehen also voll und ganz hinter diesem Projekt: Die Menschen sehnen diese Anbindung herbei! Die Stimmung bei der Bürgerversammlung in der Halle (Applaus) war ebenfalls eindeutig Pro-Bahn.

Generelle ÖPNV-Situation in Obergimpern: Obergimpern ist bezüglich ÖPNV bisher ein großer Verlierer der Stadtbahn-Anbindung von Bad Rappenau. Früher gab es durchgehende Busverbindungen nach Neckarsulm und Heilbronn, heute haben wir eine langsame und schlechte Verbindung zum Bahnhof Bad Rappenau über Siegelsbach und das Vulpiusgebiet (Fahrtzeit 20min plus 8min Umsteigezeit). Die Stadtbahn würde dies auf 5-6min ohne Umsteigen verkürzen.

Der Ausbau der Krebsbachtalstrecke mit Stadtbahnanbindung ist definitiv eine Aufwertung für den Ort. Das bedeutet: Steigerung der Attraktivität als Wohnort, Werterhalt für die Immobilien, eine Mobilitätsgarantie für Kinder und Jugendliche sowie ältere Mitbürger, und die „Mobilitätsversicherung“ für alle Obergimperner mit Blick auf mögliche künftige Verbote zur CO2-Ziel-Erreichung oder im Zusammenhang mit den gerade explodierenden Kraftstoffkosten. Die Bahn hat also auch eine soziale Komponente! Warum sollte man gegen so ein Projekt sein?

Finanzierung (I): Natürlich könnte man argumentieren, dass man für die Ausbaukosten sehr viele Busse fahren lassen könnte. Ja, könnte. Wir wissen aber alle, dass der Ausbau des Busangebots auf Stadtbahn-Leistungsniveau (inclusive Eliminierung der Umsteigezeiten!) niemals passieren wird. Die Mittel sind für den Bahnausbau zweckgebunden. Es ist ja nicht so, dass die Entscheidung wäre: Direkte schnelle Busverbindungen nach Heilbronn ODER Krebsbachtalbahn, sondern Krebsbachtalbahn ODER GAR NICHTS! D.h. wir müssen hier unbedingt die Chance ergreifen und zugreifen!

Finanzierung (II): Natürlich sind 2.6Mio eine erhebliche Belastung für den städtischen Haushalt. Wenn aber selbst finanzschwache Kommunen wie Neckarbischofsheim dafür eine Lösung finden, wird das auch die Stadt Bad Rappenau schaffen zumal sich die Gewerbesteuereinnahmen laut der letzten Haushaltsdebatte erfreulich entwickeln. Es geht hier schließlich nicht um Luxus-Ausgaben, sondern um das Grundbedürfnis „Mobilität“ und den Umweltschutz durch Stärkung des ÖPNV.

Mögliche Alternativen: Hier werden gerne die autonom fahrenden Busse genannt, die „irgendwann“ kommen könnten: Wollen wir wirklich einen Bus, der mit 20km/h über unsere Landstrassen tuckert (siehe Lidl-Shuttle in Bad Wimpfen)? Die Fahrtzeit von der Ortsmitte Obergimpern zum Busbahnhof Bad Rappenau läge mit solch einem Schnecken-Shuttle bei ca. 16min (Direktverbindung angenommen) plus natürlich die obligatorische Umsteigezeit. Wir werden sicher deutlich früher autonom fahrende Züge als autonom fahrende Bus-Shuttles mit akzeptablen Geschwindigkeiten sehen.

Alternative „Optimierung Busverkehr“: Die von der lokalen CDU ins Spiel gebrachte Verbesserung der Busverbindung ins Krebsbachtal löst leider auch nur einen Teil der vielen durch die Stadtbahn adressierten Optimierungen. Der Denkfehler im CDU-Vorschlag ist die bei Busverbindungen immer noch vorhandene Umsteigezeit beim Wechsel von Bus auf Bahn am Bahnhof Bad Rappenau (derzeit 8min). Gerade solche Verkehrsmittelwechsel sind jedoch Fehlerquellen, die zu verpassten Anschlüssen führen und die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich schmälern. Die Stadtbahn hingegen würde eine umsteigefreie Verbindung nach Heilbronn bieten.

Stichwort Lärmbelästigung: Die heutigen Stadtbahnzüge sind bezüglich Lärm nicht vergleichbar mit dem bisherigen Wagenmaterial der Krebsbachtalbahn und dem Museumsbetrieb. Dazu kommt, dass die Anwohner von Hauptstraße/L549 und Professor-Kühne-Straße über jeden PKW und jeden Bus, den wir vermeiden können, jubeln werden. Jeder Neckarbischofsheimer in der Bahn ist ein Gewinn an Lebensqualität für die Anwohner der Hauptstraße in Obergimpern.
Dazu kommt: In Obergimpern stehen nur wenige Häuser direkt an der Bahnlinie. Die Bilanz aus geringer Belastung an der Bahnlinie und deutlicher Entlastung an den Straßen dürfte also eindeutig positiv ausfallen!

Lärmbelästigung (II): Ich gehe davon aus, dass im Neubauabschnitt die geltenden Vorschriften bzgl. Lärmemission eingehalten werden, bzw. Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind. Im Gegensatz zu PKWs und Motorrädern sind Stadtbahnen in der Regel auch nicht technisch manipuliert oder mit einem „Sportauspuff“ ausgestattet und bleiben daher dauerhaft leise.

Lärmbelästigung (III): Gerade mit Blick auf Babstadt muss man bei der Betrachtung auch berücksichtigen, das hier keine Fernverkehrsstrecke mit ratternden Güterzügen gebaut wird, sondern dass hier leise Stadtbahnen fahren. Die geplante Bahnstrecke hat einen Abstand zur Babstadter Wohnbebauung von ca. 100m!

Lärmbelästigung (IV): Die Babstadter Bürger haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass sie nicht gegen die Bahn, sondern gegen die Art der Streckenführung sind. Wenn die Gesamtheit der Babstadter den Halbstundentakt aber wirklich partout nicht will, dann sollte man sich trotzdem für die Bahn aussprechen und eine alternative Route weiter östlich in Betracht ziehen (Rentabilität vorausgesetzt).

Entlastung der Bürger von Babstadt: Die Schulkinder aus Babstadt, die heute schon das Gymnasium in Neckarbischofsheim besuchen, müssen aktuell umständlich mit der Bahn nach Bad Rappenau und dann im überfüllten Bus über Obergimpern zurück nach Neckarbischofsheim fahren. Alternativ organisieren Eltern private „PKW-Zubringerfahrten“ nach Obergimpern. Hier wäre eine Verbesserung sicher sehr willkommen, was in der Bürgerversammlung von einer Mutter auch bestätigt wurde!

Schullandschaft Bad Rappenau: Immer wieder hört man, dass der Lückenschluss eine gymnasiale Oberstufe an der Verbundschule Bad Rappenau gefährden könnte. Dies ist in meinen Augen ein Scheinargument, denn eine gute Anbindung des Krebsbachtals könnte genau das Gegenteil bewirken, nämlich dass an der Gemeinschaftsschule interessierte Schüler aus dem Krebsbachtal durch den Wegfall der Hürde „schlechter Nahverkehr“ tatsächlich auch nach Bad Rappenau kommen.

Im Sinne der Gleichberechtigung unter den Teilorten muss man den Ausbau mit Lückenschluss unbedingt umsetzen (für die Anzahl der Zwischenstopps der Stadtbahn in Babstadt/Grombach wurde seinerzeit auch mit größtem Einsatz der Stadt gekämpft). Für die Stadtbahn in Bad Rappenau, Babstadt und Grombach „spendiert“ die Stadt jährlich 240.000€ . Jetzt können Oberbürgermeister, Stadtverwaltung und Bürgervertreter mit einer Einmalinvestition ohne Folgekosten endlich auch etwas für den ÖPNV in Obergimpern tun.

Image der Kur- und Bäderstadt: In einer Zeit in der landauf und landab über die Reaktivierung von Bahnstrecken, der Stärkung des ÖPNV und der Einsparung von fossilen Energieträgern gesprochen wird, wäre eine Ablehnung des Bahnprojets ein wahrer Schildbürgerstreich. Die Stadt Bad Rappenau und der Gemeinderat würden sich bei einer Ablehnung zum landesweiten Gespött machen. Das Image einer modernen und nachhaltigen Kurstadt wäre langfristig beschädigt.

Flächenverbrauch / Befürchtungen der Landwirte (I): Zunächst gehe ich davon aus, dass die Landwirte für den Verlust der Anbaufläche angemessen entschädigt werden.  Solche Zahlungen bzw. die Bereitstellung geeigneter Kompensationsflächen sind normalerweise in den Baukosten schon einkalkuliert.

Flächenverbrauch / Befürchtungen der Landwirte (II): Die Landwirte gehören zu der Bevölkerungsgruppe, die den Klimawandel sehr deutlich und schnell am eigenen Geldbeutel spüren wird. Zunehmende Stürme, Trocken- und Hitzeperioden sowie extreme Starkregenereignisse sind Gift für unsere Kulturpflanzen. Daher sollte jeder Landwirt alles dafür tun, um den Klimawandel einzubremsen. Die Bahn trägt also zum Schutz der Landwirte und der Begrenzung der künftigen Einkommenseinbußen der Landwirte bei.

Abhängigkeit von fossilen bzw. importierten Brennstoffen verringern. Gerade in der aktuellen weltpolitischen Situation, in der bundesweit über eine zu starke Abhängigkeit von importiertem Energieträgern diskutiert wird, ist die Stadtbahn eine sehr gute Maßnahme um den Gesamtverbrauch an fossilen Brennstoffen im Verkehrssektor zu verringern.

Kohärentes Handeln: Über Jahre hinweg wurde der Museumsbetrieb von der Stadt Bad Rappenau und den anderen Anliegergemeinden finanziell unterstützt um die Chance der Reaktivierung offen zu halten bzw. die Stilllegung der Strecke zu verhindern. Diese Unterstützung wurde auch vom Bad Rappenauer Gemeinderat mitgetragen. Jetzt, nach Jahren des Investierens, haben wir aus der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ein Ergebnis, das selbst die kühnsten Erwartungen noch übertrifft (Kosten-Nutzen-Verhältnis: 1:1,43) bei einem finanziellen Aufwand für die Stadt, der für so ein Projekt preiswerter nicht sein kann! Folgerichtig und widerspruchsfrei zu handeln heißt also, sich jetzt auch für das Projekt „Stadtbahn mit Lückenschluss“ auszusprechen!
 
Mein persönliches Fazit:
Wir haben momentan einmalig gute Voraussetzungen mit passenden Regierungen auf Bundes- und Landesebene, den dringenden Druck etwas in unserem Mobilitätskonzept zu verändern und dazu noch die Möglichkeit uns über Fördergelder einen Großteil finanzieren zu lassen. Es wird auf Landes- und Bundesebene absolut kein Geld gespart, wenn wir das Projekt in Bad Rappenau nicht umsetzen. Das Steuergeld (das unsere wirtschaftsstarke Region mit seinen Bürgen erwirtschaftet) fließt dann einfach woanders hin, in weniger rentable Projekte!
 
Ich gehe weiterhin fest davon aus, dass auch unser Oberbürgermeister bedingungslos hinter dem Projekt steht, denn Herr Frei hat im Jahr 2017 bei seinem Wahlkampfbesuch bei uns zu Hause betont, wie wichtig ihm ein guter ÖPNV und der Ausbau der ÖPNV-Verbindung nach Neckarbischofsheim (Gymnasium) sei.
 
Ich bitte Sie also für das Projekt unbedingt weiterhin Werbung zu machen, es zu unterstützen und sich bei der kommenden Abstimmung für das Projekt „Krebsbachtalbahn mit Lückenschluss“ auszusprechen. Ich bitte hier auch nochmals explizit unsere Landtagsabgeordneten Ihre jeweiligen Parteien auf lokaler Ebene zu sensibilisieren! Wir wollen uns doch alle in 20 Jahren nicht von unseren Kindern und Enkeln vorwerfen lassen, im Jahr 2022 eine einmalige und nicht wiederkehrende Chance für den Ort, die Bürger und die Umwelt verpasst zu haben!
 
Der aktuelle Oberbürgermeister und der Gemeinderat der Stadt Bad Rappenau werden durch die Bahnentscheidung in jedem Fall Ihren Platz in den Geschichtsbüchern erhalten. Ob mit positivem oder negativem Unterton, liegt an Ihnen!
 
Auch heute wieder: Vielen Dank für Ihr Engagement für unser Land, unsere Stadt und unser Dorf und Ihre Entscheidung mit Weitblick!
 
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen und einem Zitat von Vergil:  „Man sollte den günstigen Wind nicht ungenutzt lassen“,
 
Jörg Haffelder
Bad Rappenau-Obergimpern

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